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Werkstattrisiko geht zulasten des Schädigers

#408 von Sachverständiger
Werkstattrisiko geht zulasten des Schädigers wurde erstellt von Sachverständiger
AG Sonthofen, Urteil vom 23.11.2016, AZ: 1 C 160/16

Hintergrund
Im vorliegenden Fall streiten die Parteien über verbleibende Schadenersatzansprüche nach einem Verkehrsunfall Die Haftung der Beklagten steht dem Grunde nach außer Streit. Der Kläger holte nach dem Unfallereignis ein Schadengutachten ein und ließ sein Fahrzeug sodann auf dessen Grundlage reparieren. Dafür wurden ihm insgesamt 2.852,91 € in Rechnung gestellt.

Die beklagte Haftpflichtversicherung holte einen Prüfbericht ein, brachte gemäß diesem 626,52 € in Abzug und regulierte nur anteilig. Im Streit stehen insbesondere restliche Lackierkosten sowie weitere Verbringungskosten. Die Beklagte ist der Ansicht, dass nur die Hälfte der Lackierkosten zu regulieren sei. Der Versicherung läge keine prüffähige Rechnung vor, weil aus der Reparaturrechnung keine gesonderte Aufschlüsselung einzelner Positionen der von einer Fremdfirma erbrachten Lackierarbeiten ersichtlich sei.

Aussage
Nach Ansicht des AG Sonthofen ist die Klage vollumfänglich begründet. Der Geschädigte kann zwar nur diejenigen Kosten ersetzt verlangen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten für angemessen und zweckmäßig erachten durfte, seiner Darlegungslast genügt der Geschädigte jedoch bereits regelmäßig durch Vorlage der – von ihm beglichenen – Reparaturrechnung. Dies ist vorliegend der Fall.

Der Kläger hat dem Versicherer keine gesonderte Rechnung über die erbrachten Lackierarbeiten vorgelegt, er hat jedoch vor Erteilung des Reparaturauftrages ein Sachverständigengutachten eingeholt, dies wurde von der Beklagten nicht angegriffen, sodass vorliegend kein Bedürfnis der Beklagten besteht, eine genaue Aufschlüsselung der einzelnen Positionen zu erhalten. Sowohl die Bauteile als auch der Arbeitsaufwand waren aus dem Gutachten ersichtlich, weshalb der Kläger die Erforderlichkeit der entsprechenden Lackierkosten nachgewiesen hat.

Ob die tatsächlich angefallenen Lackierkosten für die Beklagte nachteilig vom Schadengutachten abweichen, darf dahingestellt bleiben, da das Werkstattrisiko bei der Beklagten liegt. Vorliegend ist zudem zu beachten, dass die tatsächlich abgerechneten Kosten noch unter den im Gutachten veranschlagten liegen.

Auch die noch offenen Verbringungskosten in Höhe von 19,92 € sind dem Kläger zu erstatten. Auch hier geht das Werkstattrisiko zulasten der Beklagten, sofern der Kläger unter subjektiver Betrachtung im Rahmen seiner individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten wirtschaftlich vernünftig vorging, was vorliegend der Fall ist.

Praxis
Auch das AG Sonsthofen ist der Ansicht, dass das Werkstattrisiko beim Schädiger liegt. Ein Prüfbericht ist nicht geeignet, um ein vom Geschädigten eingeholtes Sachverständigengutachten in Zweifel zu ziehen.

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