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Mietwagen nach Fraunhofer + 15 %

#500 von Sachverständiger
Mietwagen nach Fraunhofer + 15 % wurde erstellt von Sachverständiger
AG Völklingen, Urteil vom 22.12.2017, AZ: 16 C 207/17

Hintergrund
Die Parteien streiten um restliche Mietwagenkosten nach einem Verkehrsunfall. Die Klägerin klagt als Mietwagenunternehmen aus abgetretenem Recht.

Aussage
Nach Ansicht des AG Völklingen ist die Klage teilweise begründet. Die Klägerin kann aus abgetretenem Recht vom Beklagten noch 593,87 € x 90 % – 414,95 € = 119,53 € verlangen.

Dem Geschädigten stand ein Anspruch auf Mietwagenkosten in Höhe von insgesamt 593,87 € zu. Der Geschädigte kann nach § 249 Abs. 2 den für den Herstellungsaufwand wegen des während der Reparatur eingebüßten Nutzungsmöglichkeit an seinem Fahrzeug die Mietwagenkosten ersetzt verlangen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten für zweckmäßig und notwendig halten durfte.

„Ein verständiger und wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten hätte für die Anmietung eines Ersatzfahrzeuges für das verunfallte Fahrzeug für acht Tage einen Betrag von höchstens 593,87 € aufgewandt, denn das ist der um 15 % erhöhte Normaltarif für ein Fahrzeug der Klasse 8 in der PLZ-Region 66 nach der Erhebung Marktpreisspiegel Mietwagen Deutschland 2016 des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation.“

Der Fraunhofer Mietpreisspiegel ist eine geeignete Schätzgrundlage für die Ermittlung des Normaltarifs. Damit den entgegengebrachten Einwendungen gegen die Fraunhofer-Schätzung Rechnung getragen wird, erhöht das Gericht den Tarif um 15 %. Die Klägerin hat nicht nachgewiesen, dass der Geschädigte wegen der Besonderheiten der Unfallsituation die Anmietung zu einem höheren Tarif für gerechtfertigt halten durfte.

Zudem ist der Betrag um 10 % wegen ersparter Eigenaufwendungen zu mindern.

Darüber hinaus ist nicht zu vergüten, dass der Geschädigte ein klassenniedrigeres Fahrzeug angemietet hat:

Unabhängig davon, ob die Nutzungseinbuße in der Form der Nutzung eines klassenniedrigen Fahrzeugs überhaupt zum ersatzfähigen Schaden gehört, ist die Klägerin nicht Inhaberin eines solchen Nutzungsersatzes, denn er ist nicht von der Abtretung erfasst. Ausweislich der Abtretung sind Reparatur- und Mietwagenkosten, nicht jedoch ein etwaiger Nutzungsersatz abgetreten worden.

Praxis
Das AG Völklingen schätzt den Normaltarif anhand der Fraunhofer Erhebung zuzüglich 15 %. Trotz der Anmietung eines klassenniedrigeren Fahrzeuges nimmt es einen Eigenersparnisabzug von 10 % vor.

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