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Der Geschädigte darf auf das Gutachten warten

#577 von Sachverständiger
Der Geschädigte darf auf das Gutachten warten wurde erstellt von Sachverständiger
AG Freising, Urteil vom 10.10.2019, AZ: 7 C 671/19

Hintergrund
Die Parteien streiten um restliche Nutzungsausfallentschädigung nach einem Verkehrsunfall. Der Unfall ereignete sich am 15.04.2019. Die Beklagte ist zu 100% einstandspflichtig. Der Kläger beauftragte einen Sachverständigen mit der Erstellung eines Gutachtens. Der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs wurde in dem Gutachten mit 13.500,00 € beziffert, der Restwert mit 850,00 € und die Wiederbeschaffungsdauer mit 14 Arbeitstagen.

Der Kläger behauptet, dass er das Gutachten erst am 24.04.2019 erhalten habe. Am 09.05.2019 habe er ein Ersatzfahrzeug angeschafft.

Die Beklagte zahlte dem Kläger eine Nutzungsausfallentschädigung in Höhe von 770,00 €. Sie ist der Ansicht, dass der Kläger einen Anspruch auf Nutzungsausfallentschädigung für die Dauer von 14 Tagen à 55,00 € hat.

Der Kläger ist der Ansicht, dass ihm der Nutzungsausfall für einen längeren Zeitraum zustehe, zudem sei der Tagessatz mit 59,00 € zu bemessen.

Aussage
Nach Ansicht des erkennenden Gerichts ist die Klage vollumfänglich begründet. Der Kläger kann von der Beklagten die Zahlung eines weiteren Nutzungsausfalls in Höhe von 705,00 € verlangen, weil der Wiederbeschaffungszeitraum erst dann läuft, wenn der Geschädigte das Gutachten kennt.

Der Unfall ereignete sich am 15.04.2019, das Gutachten des Sachverständigen datiert vom 23.04.2019. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass der Kläger das Gutachten – wie er vorträgt – erst am 24.04.2019 erhalten hat.

Auch wenn das klägerische Fahrzeug massiv beschädigt wurde, durfte der Kläger bis zum Vorliegen des schriftlichen Gutachtens mit seiner Ersatzbeschaffung warten. Der Geschädigte muss wissen, mit welchen Zahlungen seitens des Haftpflichtversicherers er rechnen kann, damit er seine Fahrzeugsuche im entsprechenden Preissegment vornehmen kann.

Bei den vom Sachverständigen veranschlagten 14 Arbeitstagen zur Ersatzbeschaffung handele es sich zudem um Arbeitstage, nicht um Kalendertage.

„Wenn man als Arbeitstage vorliegend die Tage Montag bis Samstag sieht, lief der vom Sachverständigen geschätzte Wiederbeschaffungszeitraum vom 25. April bis zum 11. Mai. Geltend wird hier jedoch nur ein Nutzungsausfall bis zum 09. Mai gemacht. Auch dieser Zeitraum steht dem Kläger vollumfänglich zu.“

Das beschädigte Fahrzeug des Klägers war der Fahrzeuggruppe H zuzuordnen, da es ein Alter zwischen 5 und 10 Jahren aufwies, ist es jedoch eine Klasse tiefer der Gruppe G zuzuordnen. Damit ergibt sich ein Tagessatz für die Nutzungsausfallentschädigung von 59,00 €. Insgesamt kann der Kläger also eine Nutzungsausfallentschädigung in Höhe von 1.475,00 € verlangen, abzüglich der bereits gezahlten 770,00 € verbleibt ein Anspruch auf Zahlung von 705,00 €.

Praxis
Ein Geschädigter, der ein Schadengutachten in Auftrag gibt, darf auf dessen Erhalt warten, bevor er mit der Ersatzbeschaffung beginnt.

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  • Sachverständiger
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