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Geschädigter darf auf die Restwertermittlung des Sachverständigen vertrauen

#630 von Sachverständiger
AG Lübeck, Urteil vom 18.06.2019, AZ: 33 C 414/19

Hintergrund
Die Parteien streiten um restlichen Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall, bei dem das streitgegenständliche Fahrzeug einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten hat. In einem vorgerichtlich eingeholten Sachverständigengutachten wurden die Reparaturkosten mit 7.200,00 €, der Wiederbeschaffungswert mit 3.300,00 € und der Restwert auf Grundlage der eingeholten Restwertgebote mit 50,00 € beziffert. Der Kläger veräußerte sein Fahrzeug zum gebotenen Restwert.

Im Nachgang rechnete der beklagte Haftpflichtversicherer den Restwert mit 1.000,00 € ab. Die Differenz des Restwerts bildet die Klageforderung

Aussage
Nach Ansicht des AG Lübeck ist die Klage vollumfänglich begründet. Auch die Verwertung des verunfallten Fahrzeugs und die Realisierung des Restwerts unterliegen dem Wirtschaftlichkeitsgebot des § 249 BGB. Dabei ist anerkannt, dass der Geschädigte diesem gebot Genüge tut, wenn er die Veräußerung seines beschädigten Kraftfahrzeugs zu dem Preis vornimmt, den ein von ihm eingeschalteter Sachverständiger in einem Gutachten, das eine korrekte Wertermittlung erkennen lässt, auf dem allgemeinen regionalen Markt ermittelt hat.

„Der Geschädigte ist weder verpflichtet, über die Einholung des Sachverständigengutachtens hinaus noch eigene Marktforschung zu betreiben und dabei auch räumlich entfernter Interessenten einzuholen, noch ist er gehalten, abzuwarten, um dem Schädiger oder dessen Haftpflichtversicherung vor der Veräußerung des Fahrzeugs Gelegenheit zu geben, zum eingeholten Gutachten Stellung zu nehmen und gegebenenfalls bessere Restwertangebote vorzulegen.“

Das vorliegende Gutachten lässt eine korrekte Restwertermittlung erkennen. Dem Sachverständigen lagen laut Gutachten hinsichtlich des Restwertes drei Angebote vor, die sich zwischen 30,00 € und 50,00 € bewegten. Dass die Angebote dem Gutachten nicht beigefügt sind, ist dabei unschädlich, denn durch die konkrete Angabe der anbietenden Firmen unter Mitteilung der Telefonnummer dürfte es der Beklagten möglich gewesen sein, die Angebote zu verifizieren.

Weiter ist es unschädlich, dass der Versicherer vor Veräußerung dem Kläger telefonisch mitteilte, dass sie ihm ein Restwertangebot zukommen lasse, denn das angekündigte Restwertangebot ist offenbar gar nicht erstellt worden. Die pauschale Behauptung, ein Restwert von 1.000 € habe realisiert werden können, ist nicht ausreichend.

Praxis
Auch wenn ein Versicherer telefonisch mitteilt, dass er dem Geschädigten ein Restwertangebot zukommen lassen werde, muss sich ein Geschädigter dies jedenfalls dann nicht anrechnen lassen, wenn das Angebot nie erstellt wurde.

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  • Sachverständiger
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