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Stichwort

Unfall-Anmietung eines Ersatzwagens für 21 Tage und Angemessenheit der Anmietdauer

#657 von Sachverständiger
LG Hannover, Urteil vom 12.06.2019, AZ: 7 S 33/18

Hintergrund
Das LG Hannover entschied als Berufungsinstanz über das erstinstanzliche Urteil des AG Hannover (AZ: 443 C 5304/18). Vor diesem hatte der Kläger zunächst weitere Mietwagenkosten resultierend aus einem Kfz-Haftpflichtschaden gegenüber der unfallgegnerischen Haftpflichtversicherung geltend gemacht. Die Beklagte bestritt auch die Anmietdauer. Der Kläger begehrte insgesamt 21 Tage, dass AG Hannover hatte 15 Tage zugesprochen.

Hiergegen ging der Kläger in Berufung und gewann vor dem LG Hannover. Die Beklagte wurde dort zur Freistellung von weiteren Mietwagenkosten in Höhe von 742,48 € verurteilt.

Aussage
Das LG Hannover bestätigte das Recht des Klägers, als Geschädigter für 21 Tage den Mietwagen in Anspruch zu nehmen. Insbesondere sei dem Kläger kein Verstoß gegen die ihm obliegenden Schadenminderungspflichten vorzuwerfen.

Zunächst sei festzuhalten, dass das sogenannte Werkstattrisiko der Schädiger trage, was heißt, dass dem Geschädigten Probleme oder Verzögerungen in der Werkstatt grundsätzlich nicht anzulasten seien.

Der Kläger sei auch nicht dazu angehalten gewesen, nachzufragen, wie lange die Reparatur andauere. Auch die bevorstehenden Feiertage (Jahreswechsel) hätten daran nichts geändert. Das LG Hannover war der Ansicht, die Beklagte habe nicht aufgezeigt, welche Alternative sich denn für den Kläger bis zum Jahreswechsel ergeben hätte.

Die Einschätzung des Sachverständigen zur Reparaturdauer sei darüber hinaus prognostischer Art. Der Geschädigte sei nicht bereits unmittelbar nach Ablauf der prognostizierten Reparaturdauer gehalten, sich nach dem Stand der Reparatur zu erkundigen. Im konkreten Fall seien auch für die Berechnung der Reparaturdauer die Weihnachts-, Neujahrs- und Ferientage erschwerend hinzugekommen. Jedenfalls dürfe der Geschädigte durchaus noch einige Zeit abwarten, bis er aufgrund der Schadenminderung schlicht gehalten sei, sich nach dem Stand der Reparatur zu erkundigen.

Zur Anmietdauer stellte das LG Hannover wörtlich fest:

„Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass in den 21 Tagen Anmietzeit 3 Wochenenden, die Weihnachtsfeiertage, dass Neujahrsfest und die Ferienzeit mit einem offenkundig erhöhten Urlaubsaufkommen lagen, ist die Anmietdauer auch bei Annahme einer Verzögerung der Reparatur von einer Woche nach Auffassung des Berufungsgerichtes nicht zu beanstanden (vgl. hierzu auch AG Köln, a. a. O.).“

Praxis
Häufig ist vor Gericht auch die Anmietdauer strittig. Die Versicherung stützt sich meistens auf das Gutachten und anerkennt lediglich die Mindestprognose des Gutachters. Im konkreten Fall lagen allerdings zahlreiche Besonderheiten vor, welche zu einer deutlichen Verlängerung des Ausfallzeitraums und damit auch zu einem längeren Anmietzeitraum führten.

Das LG Hannover stärkte hier die Rechte des Geschädigten. Sprach das AG Hannover noch lediglich 15 Anmiettage zu, so bestätigte das LG Hannover 21 Anmiettage. Bei der Einschätzung des Sachverständigen handelt es sich eben lediglich um eine Prognose.

Der Geschädigte müsse vor Beauftragung der Reparatur auch nicht nachfragen. An dem Vorhandensein der Feiertage ändere sich dadurch ohnehin nichts. Außerdem müsse der Geschädigte auch nicht unverzüglich nach Ablauf der prognostizierten Ausfalldauer nachfragen.

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  • Sachverständiger
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