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Das Werkstattrisiko geht zulasten des Schädigers

#658 von Sachverständiger
Das Werkstattrisiko geht zulasten des Schädigers wurde erstellt von Sachverständiger
AG Aachen, Urteil vom 13.09.2019, AZ: 112 C 44/19

Hintergrund
Die Parteien streiten um restliche Reparaturkosten. Der Kläger ließ sein Fahrzeug nach dem Unfall reparieren.

Die Beklagte regulierte den Schaden nur anteilig und kürzte Teilbeträge für den Lackieraufwand des hinteren Stoßfängers, den Zeitaufwand für Konturabdeckung, anteilig berechnetes Lackiermaterial, Reinigungskosten, die Probefahrt und die Fahrzeugverbringung – insgesamt 217,15 €. Die Haftung dem Grunde nach ist zwischen den Parteien unstreitig.

Aussage
Die Klage ist vollumfänglich begründet. Nach § 249 Abs. 1 BGB ist der Schädiger verpflichtet, den Geschädigten so zu stellen, als hätte das schädigende Ereignis nicht stattgefunden. Dabei sind die notwendigen Reparaturkosten zu erstatten, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und angemessen sind.

Der Geschädigte ist dabei nach seinem Wirtschaftlichkeitsgebot daran gehalten, unter mehreren zumutbaren Wegen zur Schadenbeseitigung den wirtschaftlicheren zu wählen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass den Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten des Geschädigten regelmäßig Grenzen gesetzt sind – insbesondere dann, wenn der Geschädigte nach Einholung eines Sachverständigengutachtens den Reparaturauftrag erteilt und das Fahrzeug in die Hände von Fachleuten gibt.

„Es würde dem Sinn und Zweck des § 249 BGB widersprechen, wenn der Geschädigte bei der Wiederherstellung des vorherigen Zustands im Verhältnis zum ersatzpflichtigen Schädiger mit Mehraufwendungen der Schadenbeseitigung belastet bliebe, deren Entstehung seinem Einfluss entzogen sind und die ihren Grund darin haben, dass die Schadenbeseitigung in einer fremden, vom Geschädigten nicht mehr kontrollierbaren Einflusssphäre stattfinden muss. Das Werkstattrisiko (wie auch das Prognoserisiko) geht insofern zulasten des Schädigers. Es macht dabei keinen Unterschied, ob die Werkstatt dem Geschädigten unnötige Arbeiten in Rechnung stellt, überhöhte Preise oder Arbeitszeiten in Ansatz bringt oder Arbeiten berechnet, die in dieser Weise nicht ausgeführt worden sind. Es besteht kein Grund, dem Schädiger das Risiko für ein solches Verhalten abzunehmen. Denn hätte der Schädiger selbst die Schadenbeseitigung übernommen, hätte er sich in gleichem Maße mit einem entsprechen den Verhalten des Reparaturbetriebs auseinandersetzen müssen. (…) Die Ersatzfähigkeit von unnötigen Mehraufwendungen ist nur ausnahmsweise dann ausgeschlossen, wenn dem Dritten ein äußerst grobes Verschulden zur Last fällt, so dass etwaige Mehraufwendungen dem Schädiger nicht mehr zuzurechnen sind.“

Im vorliegenden Fall hat der Sachverständige in dem vorgerichtlich eingeholten Gutachten den von der Geschädigten geltend gemachten Betrag angesetzt. Er hat damit festgestellt, dass bei einer Reparatur in einer regionalen markengebundenen Fachwerkstatt üblicherweise diese Kosten anfallen.

Soweit die Beklagte sich auf den Prüfbericht der claims controlling beruft, wurde dieser Bericht erst nach Durchführung der Reparatur erstellt und lag der Klägerin zur Überprüfung der Kosten vor Erteilung des Reparaturauftrags nicht vor. Ein Auswahlverschulden hinsichtlich der ausführenden Reparaturwerkstatt wird im Übrigen von der Beklagten nicht vorgetragen.

Praxis
Auch das AG Aachen bestätigt, dass das Werkstattrisiko beim Schädiger liegt. Der Geschädigte darf sich darauf verlassen, dass ein Reparaturbetrieb wirtschaftlich repariert, wenn er sich nach den Vorgaben eines Gutachtens richtet.

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  • Sachverständiger
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